DEFA-HOMMAGE
Ein inzwischen fast schon traditioneller Bestandteil des Programms in Saarbrücken ist die alljährliche Hommage an das DDR-Filmstudio DEFA, die wir mit Unterstützung der DEFA-Stiftung ausrichten.
Sa 14:30 FH
JAHRGANG 45
Regie: Jürgen Böttcher; DDR 1965, Digi Beta, s/w, 94 Min.
Der 23jährige Al (Rolf Römer) will nicht so weiterleben wie bisher, er möchte das Gewohnte durchbrechen. Seit zwei Jahren ist er nun mit Li (Monika Hildebrand) verheiratet und wohnt mit ihr in einer Einzimmer-Altbauwohnung im Berliner Prenzlauer Berg. Er reicht die Scheidung ein, obwohl er Li, die als Säuglingsschwester arbeitet, nach wie vor liebt. Weder seinem guten Nachbarn und Freund, dem 70-jährigen Mogul (Paul Eichbaum), noch seinem Opa und seiner Mutter kann er sich erklären.
Da er Urlaub hat, lässt Al sich durch die Stadt treiben, trifft Freunde und flirtet mit Mädchen. Zwischendurch kehrt er vor Langeweile sogar an seinen Arbeitsplatz, eine Autowerkstatt, zurück. Aber das was er sucht, das Andere, das eigentliche Leben, kann er nicht finden.
JAHRGANG 45 war Jürgen Böttchers erster und letzter Spielfilm. Zusammen mit rund einem Dutzend weiterer DEFA-Produktionen wurde er nach dem 11. Plenum des ZK der SED verboten. Der Vorwurf: Seine Hauptfigur sei „indifferent, gedankenlos, unreif, asozial“, das Milieu „trist und unfreundlich“. Seine Premiere erlebte der Film erst 1990 auf der Berlinale. (freigegeben ab 12)
Darsteller: Monika Hildebrand, Rolf Römer, Paul Eichbaum, Holger Mahlich, Gesine Rosenberg, Walter Stolp u.a.
Sieht man JAHRGANG 45 heute, so verblüfft seine Frische, seine Beiläufigkeit, seine atmosphärische Dichte. In seiner Hauptfigur Al spürt man den Geist des Aufbruchs, der sich Mitte der sechziger Jahre in ganz Europa ausbreitete: einer, der sich den Zumutungen des kleinbürgerlichen Lebensmodells entzieht, der noch nicht weiß, was er will, aber genau spürt, was er nicht will (...)
Vergleicht man JAHRGANG 45 mit Filmen, die zur selben Zeit im Westen entstanden – mit Alexander Kluges Abschied von Gestern, Ulrich Schamonis ES und anderen jungen deutschen Filmen, mit den Arbeiten der Nouvelle Vague in Frankreich, des Free Cinema in Großbritannien –, dann gibt es keinen Zweifel: Mit JAHRGANG 45 – hätte man ihn damals nur sehen können – wäre Jürgen Böttcher eine der Leitfiguren dieser filmischen Aufbruchsjahre geworden. Er wollte so groß werden wie Jean-Luc Godard, wie Fellini – und er wäre es geworden. (Kraft Wetzel, „Der Freitag“) Die Angaben zur Programmierung verwenden folgende Abkürzungen:
CS=CineStar FH=Filmhaus 8 1/2=Kino achteinhalb CaZ=Camera zwo
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