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Tribute Mario Adorf

Montag, 8. Januar 2018

Mit seiner markanten Physis und unbändigen Spiellust wurde er zu einem der bedeutendsten Schauspieler des deutschen Nachkriegskinos und zum international gefeierten Star. Wir freuen uns sehr, Mario Adorf, den genialen Charakterdarsteller und begnadeten Geschichtenerzähler, beim 39. Filmfestival Max Ophüls Preis (22. – 28.1.2018) als Ehrengast begrüßen zu dürfen.

Mario Adorf © elsani film

Unser kollektives Kinogedächtnis ist voll von Adorf-Momenten: Als übler Finsterling Frederick Santer, der im ersten Teil von WINNETOU (1963) Winnetous Schwester Nscho-tschi erschießt. Als Oskar Matzeraths Vater in der BLECHTROMMEL (1978), ein Suppen kochender Nazimitläufer, der – zumindest im Director‘s Cut – zum Vatertier wird, als sein Sohn ins Euthanasie-Programm gesteckt werden soll. Oder als schmieriger Provinzindustrieller, der in der Dietl-Serie „Kir Royal“ (1986) den bis heute – in Adorfs rheinischer Singsang-Diktion – legendären Satz sagt: „Isch scheiß' disch zu mit meinem Jeld.“ Mario Adorf schuf in seinen bislang über 200 Rollen nicht nur populäre, sondern ikonische Figuren, die bleiben.

So wie er selbst auch immer geblieben ist. Die Filmepochen und Generationen kamen und gingen – Adorf war immer mittendrin. Er war eine große Nummer in Papas Kino wie im Neuen Deutschen Film, er lebte und arbeitete in Italien, als der Italo-Western Kult war.

Die Liste der renommierten Regisseur·innen, mit denen er zusammenarbeitete, ist lang: Sergio Corbucci und Dario Argento in Italien, Billy Wilder und Sam Peckinpah in den USA, Wolfgang Staudte, Rainer Werner Fassbinder, Volker Schlöndorff, Helmut Dietl oder auch Lola Randl in Deutschland. „Jede Geste, jeder Blick, jede Intonation, jede Pause und Pointe mussten sitzen wie die Handgriffe eines Trapezkünstlers“, beschrieb Schlöndorff einmal Adorfs fast bildhauerisches Arbeiten an seinen Charakteren, denen man die Arbeit nie anmerkt, so aus dem Leben sind sie.

Und mit Leben kennt sich der 87-Jährige aus wie kein Zweiter. Geboren 1930 in Zürich, aufgewachsen in der Eifel, wurde er in eine harte und spannungsreiche Kindheit und Jugend geworfen. Nach dem Krieg lernte er Boxen und – an der Otto-Falckenberg-Schule in München – Spielen. Bereits mit seiner ersten großen Filmrolle gelang ihm der Durchbruch. In NACHTS, WENN DER TEUFEL KAM (1957) spielte er einen psychopathischen Frauenmörder mit der ihm schon damals eigenen feinsinnigen und hintergründigen Vehemenz. Adorf erhielt das Filmband in Gold – und ein Image, das ihm fortan für viele Jahre anhaftete: das des Bösewichts. Für den Schauspieler kein Makel, sondern eine menschliche Normalität. „Oft wird gesagt, dass das Böse unmenschlich ist“, sagte er einmal. „Man macht es sich also einfach, indem man sagt: 'Das ist so negativ, das hat mit uns Menschen nichts zu tun, das grenzen wir aus', anstatt zu sagen: 'Das ist das Böse in uns allen.' "

Mario Adorf hat praktisch alle Preise gewonnen, die es hierzulande zu gewinnen gibt. Bundesfilmpreise, Bambis, Goldene Kameras, das Große Bundesverdienstkreuz.

Das Filmfestival Max Ophüls Preis ehrt Mario Adorf mit vier Filmen und einem Werkstattgespräch moderiert von Felix Mauser.

FILMREIHE
DEADLOCK,
Regie: Roland Klick, BRD 1970,  88 Min.
DER LETZTE MENTSCH, Regie: Pierre-Henry Salfati, Deutschland, Frankreich, Schweiz 2014, 93 Min.
LOLA, Regie: Rainer Werner Fassbinder, BRD 1981, 115 Min.
NACHTS, WENN DER TEUFEL KAM, Regie: Robert Siodmak, BRD 1957, 104 Min.

WERKSTATTGESPRÄCH
Freitag, 26.1.2018, camera zwo 3, Saarbrücken, ca. 19.30 Uhr, direkt im Anschluss an die Vorführung von DER LETZTE MENTSCH

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