Filmfestival Max-Ophüls-Preis » Die Preisträger 2016

Die Preisträger 2016

Alle diesjährigen Preisträger in der Übersicht.

Max Ophüls Preis: EINER VON UNS

(© Sebastian Woithe)

Regie: Stephan Richter
(Österreich 2015)

Begründung:
Die Juryentscheidung für EINER VON UNS war einstimmig. Der Regisseur Stephan Richter zeigt uns in seinem Drama eindrucksvoll die Perspektivlosigkeit von Menschen, die sich tagtäglich in einem Niemandsland, zwischen prall gefüllten Supermarkt-Regalen und der trostlosen Leere drumherum wieder finden. Basierend auf einer wahren Begebenheit, die in Österreich Aufsehen erregte, erschafft sein genauer und wertfreier Blick auf die Protagonisten, eine Innen- und Außenwelt, die die Jury gänzlich zu faszinieren vermochte. Ein großer Anteil an diesem Werk gebührt der hervorragenden Ensemble-Leistung der Darsteller. Es war URLEIWAND!!

Die Jury: Lothar Hellinger, Simon Jaquemet, Lisa Martinek, Désirée Nosbusch, Gustav Peter Wöhler


Filmpreis der saarländischen Ministerpräsidentin: FADO

(© Sebastian Woithe)

Regie: Jonas Rothlaender
(Deutschland, Portugal 2016)

Begründung:
Getragen von zwei herausragenden Darstellern erzählt FADO, der Film von Jonas Rothlaender, ein Beziehungs-Drama, das sich Eifersucht zum Thema der Erzählung macht. In den Gassen Lissabons finden und verlieren sich die Figuren, zerbricht schließlich ihre Verbindung am stetig nagenden Rost der Eifersucht. Optisch wie inszenatorisch ein beeindruckendes filmisches Ereignis, zu dem wir herzlich gratulieren!

Die Jury: Lothar Hellinger, Simon Jaquemet, Lisa Martinek, Désirée Nosbusch, Gustav Peter Wöhler


Der Preis für den gesellschaftlich relevanten Film: HEIMATLAND

(© Sebastian Woithe)

Regie: Michael Krummenacher, Jan Gassmann, Lisa Blatter, Gregor Frei, Benny Jaberg, Carmen Jaquier, Jonas Meier, Tobias Nölle, Lionel Rupp, Mike Scheiwiller
(Schweiz 2015)

Begründung:  
HEIMATLAND meistert mit Bravour die schwierige Aufgabe, einen kohärenten Film aus zehn verschiedenen persönlichen Perspektiven, auf die Situation in einem Land in einer fiktiven Extrem-Situation zu werfen. Die Relevanz des filmischen Anliegens wird durch die aktuellen politischen Ereignisse mehr als bestätigt und prädestiniert dieses Werk ganz besonders für die Auszeichnung als politisch relevanten Film.

Der Preis geht an den Projektinitiator und Regisseur Michael Krummenacher stellvertretend für alle zehn Regisseure.

Die Jury:
 Lothar Hellinger, Simon Jaquemet, Lisa Martinek, Désirée Nosbusch, Gustav Peter Wöhler


Publikumspreis: SCHROTTEN!

(© Sebastian Woithe)

Regie: Max Zähle
(Deutschland 2016)



 

 

 

 


Fritz-Raff-Drehbuchpreis: FERIEN

(© Sebastian Woithe)

Regie: Bernadette Knoller
Buch: Paula Cvjetkovic und Bernadette Knoller

(Deutschland 2016)

Begründung:
Niemand ist eine Insel, aber die junge Juristin Vivi flüchtet sich auf eine, um ihr Leben, das auf dem Festland in die Krise geraten ist, neu zu justieren. Das wunderbare Drehbuch der beiden Autorinnen erfindet zu der zentralen Frau in der Krise ein höchst unterhaltsames Insel-Ensemble aus nicht weniger krisenhaften Figuren, begleitet von großen und kleinen Tieren. Erzählt wird dabei mit großer Leichtigkeit, norddeutscher Lakonie, uneitler Bodenständigkeit und einer großen Portion Selbstironie. Die Eigenheit des Geschriebenen geht hier schöner Weise Hand in Hand mit der großen spielerischen Qualität der Regisseurin, die mit FERIEN eine Tür zu einer ganz eigenwilligen Form der weiblichen Komödie aufstößt. Bernadette Knoller hat es so ausgedrückt: "Das Tolle am Filmemachen ist: mit Menschen zusammen Geschichten zu erzählen, über Dinge, die einen wundern.“ - Wir als Jury finden: Von dieser schönen Art des Wunderns kann es im Kino gar nicht genug geben. Dafür soll das "Urlaubsgeld" des Drehbuchpreises ein Ansporn sein.

Die Jury: Daniel Blum, Sabine Holtgreve und Oliver Hottong


Der Preis der Jugendjury: DER NACHTMAHR

(© Sebastian Woithe)

Regie: AKIZ
(Deutschland 2015)

Begründung:
DER NACHTMAHR war der erste Film, den wir im Rahmen des Festivals gesehen haben. Er hat uns fünf die ganze Woche über, trotz weiterer eindrucksstarker Filme, intensiv beschäftigt. Von Beginn an fesselte uns die gelungene Komposition von Ton und Bild: Musik, Bassfrequenzen und binaurale Töne in Verbindung mit Licht und Montage schaffen eine einzigartige Atmosphäre,  die uns in die Welt von Tina zieht. Diese wird mit einem zunächst schrecklich erscheinenden, mystischen Wesen konfrontiert. Doch nach und nach werden zunächst angelegte Konventionen des Horrorgenres gebrochen und es wird deutlich, dass  von der Kreatur keine Gefahr ausgeht, sondern die ablehnenden Reaktionen ihres Umfeldes die eigentlichen Bedrohungen darstellen. Die den Film über unentwegt leidende Psyche der Hauptfigur, beeindruckend verkörpert von  Carolyn Genzkow, befindet sich stets auf der Schwelle zwischen Realität und Fiktion. Wir als junge Menschen fühlen uns besonders mit diesem Szenario verbunden, da es uns implizit einen Weg zur Selbstfindung aufzeigt. Nach anfänglicher Ablehnung folgt: Annäherung, Toleranz und Akzeptanz.

Die Jury: Carla Bernd, Nicola Bläs, Usama Maurice Nonnenmacher, Yolanda Stabel und Katharina Steffen


Der Preis für die Beste Nachwuchsdarstellerin: Odine Johne für den Film AGNES

(© Sebastian Woithe)

Regie: Johannes Schmid
(Deutschland 2016)

Begründung: 
Ihre Darstellung der Agnes in dem gleichnamigen Film von Johannes Schmid, zieht den Zuschauer, genauso wie den Autoren Walter, vom ersten Moment an in ihren Bann. Sie schafft, Kraft ihres durchlässigen Spieles, ihre Figur im fragilen Geheimnis zwischen Realität und Fiktion zum Leben zu erwecken. Virtuos behält sie das Gleichgewicht zwischen Physis und Seele ihrer Figur. Vielen Dank für eine wunderbare Darstellung!


Der Preis für den Besten Nachwuchsdarsteller: Ben Münchow für den Film ROCKABILLY REQUIEM

(© Sebastian Woithe)

Regie: Till Müller-Edenborn
(Deutschland 2016)

Begründung:
Ben Münchow balanciert als Hubertus in ROCKABILLY REQUIEM zwischen der Enge familiärer Autorität und dem Ausbruch in die Welt der Musik.  Sein Spiel zwischen Kraft und Sensibilität beeindruckt. Seine lebendige und facettenreiche Darstellung fesselt von der ersten Minute und findet sein konsequentes Ende im Suizid der Hauptfigur. Wir freuen uns auf viele weitere filmische Begegnungen und gratulieren von ganzem Herzen!


Kurzfilmpreis: PITTER PATTER GOES MY HEART

(© Sebastian Woithe)

Regie: Christoph Rainer 
(Deutschland, Österreich, USA 2015)

Begründung:
PITTER PATTER GOES MY HEART… ein Titel, den wir nur unbefriedigend übersetzen können: Plitsch-Platsch (laut-leise) pocht mein Herz. Ein Film, der radikal den Gesetzen des Melodrams folgt - ein Genrefilm, im Kurzfilm-Genre sehr selten. Melodram heißt: Die Handlung wird nicht von Logik, rationalen Notwendigkeiten oder Konsequenzen vorangetrieben, sondern einzig und allein vom Gefühl. Dieses Gefühl heißt in diesem Film LIEBE, radikale, ausschließliche Liebe! Die Regie des Films schafft es - ohne jede Aufdringlichkeit - die Hauptdarstellerin VICKY KRIEPS dazu zu verführen, diese Liebe vor der Kamera zu leben, sie körperlich spüren zu lassen und die Einsamkeit, in der sie gelebt wird, sinnlich mit erleiden zu lassen. Die Schauspieler-Führung des Regisseurs CHRISTOPH RAINER allein ist schon preiswürdig. Dazu kommt noch eine den Gefühlen, dem inneren Drama dienende Lichtgestaltung und eine Bildführung, die, zusammen mit den behutsamen Akzenten der Musik, den Film wahrlich zu einem unvergleichlichen Ergebnis machen. PITTER PATTER GOES MY HEART hat die Jury tatsächlich ins Herz getroffen.

Lobende Erwähnung für: MAYDAY RELAY
Regie: Florian Tscharf

(Deutschland 2016)

Jury: Franziska Aigner, Hans W. Geißendörfer und Max von Thun


Publikumspreis Kurzfilm: BORN IN BATTLE

(© Sebastian Woithe)

Regie: Yangzom Brauen
(USA, Schweiz 2016)

 

 

 

 

 


Dokumentarfilmpreis: GIRLS DON’T FLY

(© Sebastian Woithe)

Regie: Monika Grassl
(Deutschland, Österreich 2016)

Begründung:
„Wenn Du träumst, träume groß!“ Dieses Lied singt Lydia, das behinderte afrikanische Mädchen, das davon träumt, Pilotin zu werden. Dabei helfen will ihr Jonathan, ein britischer Fluglehrer, der eine spendenfinanzierte Flugschule in Ghana betreibt. Zusammen mit zehn anderen Schülerinnen beginnt ein militärischer Drill nach westlichen Maßstäben. Erst langsam wird spürbar, wie das Helfen zum Selbstzweck wird. Die Ambivalenz der westlichen Entwicklungshilfe wird fast beiläufig Thema dieses großartigen Debütfilms von Monika Grassl. Dramaturgisch elegant gelingt ihr der Bogen von der berührenden Geschichte der afrikanischen Mädchen zu den großen Themen der Gegenwart. Am Ende haben die Mädchen nicht fliegen gelernt, stehen dafür aber mit beiden Beinen im Leben.

Die Jury: Irene von Alberti, Andrea Pfalzgraf und Bernd Wilting


Preis für den besten Mittellangen Film: INVENTION OF TRUST

(© Sebastian Woithe)

Regie: Alex Schaad
(Deutschland 2016)

Begründung:
INVENTION OF TRUST – Erfindung – Einrichtung – Aufbau von Vertrauen. Ein Titel, der aufhorchen lässt: Wie geht das? Was ist das? Und während der Film uns immer tiefer in die digitalen Schluchten des Internets spült, während wir erleben, wie ein harmloser Lehrer den Boden unter den Füßen verliert, weil er – wie wir alle – arglos Informationen ins Internet gegeben hat, während wir erleben, dass dieser Lehrer in Gefahr ist – genau wegen dieser Informationen über erpresserische Maßnahmen Freunde und Beruf zu verlieren, erinnert uns dieser Film an unseren eigenen Leichtsinn und ermahnt uns über einen großartig gespielten Monolog des Hauptdarstellers Dimitri Schaad, der ununterbrochen sprechend in einer cineastisch genial aufgebauten Krahn-Fahrt, einen Slow-Motion Flug an Gebäuden vorbei und über Straßen hinweg, dass wir uns doch bitte bewusst werden müssen, unser eigenes Privatleben und das unserer Kinder vor dem Moloch Internet zu schützen. Ein Film – großartig  aktuell – großartig gespielt - kongenial fotografiert. Invention of trust!

Jury: Franziska Aigner, Hans W. Geißendörfer und Max von Thun


Publikumspreis für den Mittellangen Film: ROUTE B96

(© Sebastian Woithe)

Regie: Simon Ostermann

 

 

 

 

 

 


Preis der ökumenischen Jury: DER NACHTMAHR

(© Sebastian Woithe)

Regie: AKIZ 
(Deutschland 2015)

Begründung:
DER NACHTMAHR handelt vom Umgang mit Ängsten. Der Zuschauer nimmt Teil an Tinas Ich-Werdung: Sie begegnet ihren eigenen Schattenseiten in Gestalt eines seltsamen Wesens und lernt, es zu akzeptieren – Tinas Innenwelt wird im Nachtmahr sichtbar. Gleichzeitig geht es um die Akzeptanz von menschlichen Eigenarten – und den gesellschaftlichen Umgang mit Normabweichungen. AKIZ findet dafür einen außergewöhnlichen künstlerischen Ausdruck, herausfordernd, irritierend – und überzeugend.
 
Die Jury: Gerhard Alt, Melanie Pollmeier, Wolf-Dieter Scheid und Sarah Julia Stroß


Filmmusikpreis: Jörg Magnus Pfeil, Siggi Mueller und Patrick Puszko für PASSION FOR PLANET

(© Sebastian Woithe)

Regie: Werner Schuessler
(Deutschland 2016)

Begründung:
Die Filmmusik von Jörg Magnus Pfeil, Siggi Mueller und Patrick Puszko beeindruckt durch ihre große stilistische Bandbreite und herausragende dramaturgische Stärke. Gefühlvolle durchdachte Themen und Arrangements lassen einen in die unterschiedlichsten Lebenswelten der fünf Naturfilmer eintauchen. Bild und Musik verschmelzen zu einer Einheit, die einen emotional packt und an die fragile Schönheit unseres Planeten erinnert.

Die Jury: Dr. Gerd Bauer, Pia Hofmann, Ulf Israel, Saskia Osterhold, Mario Lauer